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Arbeit·9 Min. Lesezeit·28. April 2026

Selbstständig werden: Der Gehaltsvergleich, den viele vergessen

Als Freelancer 80.000 € Umsatz zu machen klingt nach mehr als 55.000 € Bruttogehalt — ist es aber oft nicht. Wir zeigen, wie der ehrliche Vergleich aussieht.

Warum der Umsatz täuscht

Der häufigste Denkfehler beim Wechsel in die Selbstständigkeit: Umsatz mit Gehalt gleichzusetzen. Als Angestellter bekommen Sie Ihr Bruttogehalt — alles andere (Sozialversicherung, Büro, Equipment) erledigt der Arbeitgeber. Als Selbstständiger ist der Umsatz nur der Ausgangspunkt einer langen Rechnung.

Der größte Unterschied: Sozialversicherung

Als Angestellter zahlt der Arbeitgeber die Hälfte Ihrer Sozialversicherungsbeiträge — rund 20 Prozent des Bruttolohns, die Sie auf dem Lohnzettel nie sehen. Als Selbstständiger zahlen Sie diese Kosten vollständig selbst: gesetzliche oder private Krankenversicherung, Pflegeversicherung, und — da Sie aus der gesetzlichen Rentenversicherung herausfallen — private Altersvorsorge. Zusammen können das leicht 1.500 bis 2.000 Euro monatlich sein, je nach Absicherungsniveau.

Das ehrliche Rechenbeispiel

Angenommen, Sie erzielen als Freiberufler 80.000 Euro Jahresumsatz. Nach typischen Betriebsausgaben (Büro, Equipment, Software, Steuerberater, Fortbildung: ca. 10.000–15.000 Euro) verbleiben rund 65.000 Euro Gewinn. Davon gehen Kranken- und Pflegeversicherung (ca. 9.000–11.000 Euro) sowie Altersvorsorge (ca. 6.000–8.000 Euro) ab. Die Einkommensteuer auf den verbleibenden Gewinn beträgt je nach Situation weitere 18.000–22.000 Euro. Unterm Strich landen Sie bei 3.300 bis 3.700 Euro netto monatlich. Der Angestellte mit 55.000 Euro Brutto kommt in Steuerklasse 1 auf rund 3.100 Euro netto — der Abstand ist kleiner als gedacht. Den direkten Vergleich macht der Angestellt vs. Selbstständig Rechner für Ihre konkreten Zahlen.

Versteckte Kosten, die oft vergessen werden

  • Kein bezahlter Urlaub und keine bezahlte Krankheit: 30 freie Tage bedeuten ca. 10–12 % Einkommensverlust im Jahr
  • Akquise, Administration und unbezahlte Meetings fressen oft 20–30 % der Arbeitszeit
  • Einkommensteuer-Vorauszahlungen vierteljährlich: Rücklagen von ca. 30 % des Gewinns einplanen
  • Berufsunfähigkeitsversicherung und Haftpflicht kosten als Selbstständiger häufig mehr
  • Investitionen in Equipment und Weiterbildung können nicht auf den Arbeitgeber abgewälzt werden

Steuern als Selbstständiger

Als Freiberufler zahlen Sie Einkommensteuer auf Ihren Gewinn (Einnahmen minus Ausgaben) sowie Umsatzsteuer auf Ihre Rechnungen — die Sie jedoch direkt an das Finanzamt abführen und nicht selbst tragen. Gewerbetreibende zahlen zusätzlich Gewerbesteuer, die ab einem Freibetrag von 24.500 Euro anfällt. Ein Steuerberater ist in der Selbstständigkeit kein Luxus, sondern eine sinnvolle Investition: Die Kosten sind steuerlich absetzbar, und ein guter Berater spart erfahrungsgemäß mehr, als er kostet.

Ab wann lohnt sich der Sprung?

Als grobe Faustregel gilt: Als Selbstständiger sollten Sie netto mindestens 25 bis 30 Prozent mehr verdienen als im Angestelltenverhältnis — als Puffer für fehlende Sozialleistungen, Ausfallzeiten und unternehmerisches Risiko. Wer diesen Puffer erreicht und gleichzeitig die Freiheit der Selbstständigkeit schätzt, fährt langfristig gut. Für alle anderen lohnt ein genauer Blick auf die Zahlen — am besten mit dem Angestellt vs. Selbstständig Rechner, bevor die Kündigung abgeschickt wird.

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