Fischbesatz im Aquarium – die cm-Regel und ihre Grenzen
Die cm-Regel: Grundlage und Kritik
Die verbreitete Faustregel „1 cm Fisch pro Liter Wasser“ stammt aus den 1960er-Jahren und ist eine grobe Orientierungshilfe. Sie berücksichtigt weder das Territoriumsverhalten noch den Sauerstoffbedarf verschiedener Arten, noch ob es sich um Ober-, Mittel- oder Bodenbewohner handelt.
In der Praxis gilt: Kleinere Fische (Neons, Danios) sind effizienter als große Fische, weil ihre Biomassebelastung pro cm deutlich geringer ist. Ein 30-cm-Cichlide produziert proportional deutlich mehr Ammoniak als 30 Neons à 1 cm. Der Rechner gibt daher artspezifische Faktoren an.
Territorien, Schwarmfische und Wasserparameter
Territoriale Fische (Buntbarsche, Kampffische, viele Cichliden) sind nicht nach der cm-Regel dosierbar. Hier zählen Sichtbarrieren, Reviere und artspezifische Mindestbeckengrößen. Ein Paar Schmetterlingsbarsche (Mikrogeophagus ramirezi) benötigt ein Mindestbecken von 60–80 Litern, unabhängig von der cm-Rechnung.
Schwarmfische (Neons, Rennflecken, Kardinalbarsche) fühlen sich nur in Gruppen von mindestens 8–10 Tieren wohl. Unter 6 Tieren entwickeln viele Schwarmfische Stress und sterben früher. Stets die artspezifische Mindestgruppengröße beachten.
Garnelen: Eigene Besatzregeln
Garnelen folgen völlig anderen Besatzregeln als Fische. Als Faustregel gilt: 10–20 Zwerggarnelen (Neocaridina, Caridina) pro 10 Liter Nettovolumen – je nach Bepflanzung und Filterleistung. Gut strukturierte Becken mit reichlich Moosen und Pflanzen können mehr Garnelen tragen.
Garnelen und Fische zusammenzuhalten funktioniert nur mit friedlichen, kleinen Fischarten. Viele Fische fressen Garnelen, besonders Jungtiere. Sichere Mitbewohner sind Otocinclus, Corydoras (kleine Arten) und sehr kleine Salmler wie Rummynose.