Wanderzeit berechnen — Naismith-Regel für Tourenplanung
Die Naismith-Regel (William W. Naismith, 1892) ist die bewährteste Methode zur Schätzung der Wanderzeit: 5 km/h in der Ebene und 1 Stunde zusätzlich je 600 Höhenmeter Aufstieg. Formel: t [h] = Strecke [km] / 5 + Aufstieg [m] / 600.
Für den Abstieg gibt es verschiedene Ergänzungen: Nach Aitken (1977): 10 Min. je 75 m Abstieg (bei steilen Abstiegen) oder je 1 km Weg (bei flachen Wegen). Erfahrene Bergwanderer rechnen ca. +1 h je 750 m Abstieg. Pausen sind in der Naismith-Regel nicht enthalten — typisch sind 10 Min. je Stunde Gehzeit.
Geländefaktoren und individuelle Anpassung
Die Naismith-Regel gilt für befestigte Wege und guten Untergrund. Im Gelände sind Korrekturfaktoren sinnvoll: Gut ausgebauter Wanderweg × 1,0; Schotterweg, Wurzelpfad × 1,1–1,2; Blockgelände, Geröll × 1,3–1,5; Tiefer Schnee oder Orientierungsgelände × 1,5–2,0. Diese Faktoren multiplizieren die Gesamtzeit.
Individuelle Abweichungen: Geübte Bergwanderer sind ca. 15–20 % schneller als die Normzeit, unerfahrene Gruppen oder Familien mit Kindern oft 20–40 % langsamer. Die Langmuir-Korrektur (1984) berücksichtigt zudem den Abstieg genauer: Bei Steigungen über 5° (≈ 9 %) werden je 300 m Abstieg 10 Min. abgezogen (Zeitgewinn), bei sehr steilen Abstiegen über 12° werden 10 Min. addiert.
Pausenplanung und Sicherheitspuffer
Pausen sind ein unverzichtbarer Teil der Tourenplanung — die Naismith-Regel enthält sie nicht. Empfehlung: Nach je 45–90 Min. Gehzeit eine kurze Pause (5–10 Min.) einplanen. Auf ganztägigen Touren kommt eine längere Mittagspause von 30–45 Min. hinzu. Für die Sicherheitsplanung empfiehlt der DAV, immer mit einem Zeitpuffer von 20–30 % zu kalkulieren und den Rückweg (oder die Hütte) spätestens 2–3 Stunden vor Dunkelheit zu erreichen.